Warum braucht das ländliche Deckenpfronn eine Kulturwerkstatt?

Die Geschichte dieses nun 3.200 Einwohner zählenden Ortes gibt wohl die richtige Antwort: Am 21. April 1945 wurde Deckenpfronn zu zwei Drittel durch Brandbomben zerstört und schnitt die sichtbaren historischen Wurzeln einfach ab. Der bis 1957 dauernde Wiederaufbau beanspruchte alle Kräfte und gab dem neuen Dorf auch ein neues Gesicht. Das Fragen nach der Vergangenheit setzte erst viel später ein, wurde dann aber drängender. Die Wandlung der Zehntscheuer zum Bürgerhaus gab den Impuls, die Verbindung zur Ortsgeschichte in musealer Form neu zu knüpfen. Und daraus entstand dort ab 1987 das „Museum Altes Dorf“ und weckte mit dem zunehmenden Verlust der bäuerlichen Identität des Ortes den Wunsch nach einem bäuerlich-handwerklichen Museum. Der Gemeinderat gab dazu 1999 mit der Bedingung „grünes Licht“, dass die Museen von einem zu gründenden Verein für Kultur- und Heimatgeschichte zu betreiben seien. Denn für so eine kleine Gemeinde ist die Vorhaltung von gleich 2 Museen eine deutliche Überforderung. Ein Verein wurde jedoch nicht gegründet und deshalb blieb das zweite Museum in der inzwischen von der Gemeinde erworbenen Pfarrscheuer in den Kinderschuhen stecken. Das Jahr 2009 brachte dann den entscheidenden Durchbruch. Es wurde eine Vereinbarung zwischen dem zu gründenden Verein und der Gemeinde entworfen und vom Gemeinderat genehmigt, mit dem dieser Verein den Betrieb und die Pflege beider Museen übernimmt. So kam es am 16.Oktober 2009 zur Gründung dieses jüngsten Deckenpfronner Vereins, dessen Aufgabe es ist. Kunst und Kultur, den Denkmalschutz, die Heimatpflege und die Heimatkunde zu fördern. Weil das eine Daueraufgabe ist, nannten die 25 Gründungsmitglieder den Verein „Kulturwerkstatt Deckenpfronn“.

Seine wichtigsten Aufgaben sind unverändert:

  1. Die Erforschung der Deckenpfronner Geschichte und der Lebens- und Arbeits-Weise der Menschen.
  2. Die Führung der beiden Dorfmuseen „Altes Dorf“ in der Zehntscheuer und „Kalt-Heiß“ in der benachbarten Pfarrscheuer.
  3. Die Konzeption und die Verwirklichung des Historischen Rundganges.
  4. Die Erhaltung und Erforschung von Kulturdenkmalen in der Gemarkung Deckemnpfronn. Dazu gehört auch die Erfassung von Kleindenkmalen.
  5. Die Durchführung von zeitgerechten Sonderausstellungen in der Zehntscheuer
  6. Die Herausgabe orts- und familiengeschichtlicher Dokumentationen und die Durchführung kultureller Veranstaltungen in Verbindung mit der Gemeinde.
  7. Die Betreuung des Bauerngartens.

Mit der Einweihung des Museums „Kalt-Heiß“ wurde die 1. Museumsnacht gefeiert und diese hochsommerliche Veranstaltung hat sich als fester Bestandteil der kulturellen Äußerung der Kulturwerkstatt erwiesen. In den beiden Museen vorkommende Ausstellungsthemen finden sich im Programm dieser Museumsnächte wieder. So findet am 30. Juni 2017 bereits die 8. Deckenpfronner Museumsnacht mit dem Thema „Grombiera aus Däggapfronn“ statt. Dabei wird die Kartoffel und das Dorf Deckenpfronn, das in früheren Jahren zunächst mit Pferdefuhrwerken und später mit Traktoren Lieferant für die umliegenden Städte Calw, Böblingen und bis nach Stuttgart war, dargestellt. Der Vorstand der Kulturwerkstatt wünscht allen Besuchern unseres Internetauftrittes interessante Einblicke in die Vereinsarbeit. Schön wäre es, wenn daraus auch der Impuls zum vertiefenden Interesse oder sogar zu einer Mitarbeit in der Kulturwerkstatt erweckt würde. Gelegenheiten dazu gibt es mehr als genug!

Museumsnacht 2012

Museumsnacht 2012